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Wie geht es weiter mit stopp-seite.de?
Wie regelmäßige Leser dieser Seite sicherlich bemerkt haben, ist die Updatefrequenz in den letzten Wochen stark gesunken. Die lag nicht daran, dass es nichts zu berichten gab oder gibt, und es bedeutet auch nicht, dass stopp-seite.de nicht mehr gepflegt wird. Ich möchte im folgenden offenlegen, wieso hier zeitweilig so wenig los war.
Einen einzelnen Grund für diese Entwicklung gibt es nicht - da kamen mehrere Faktoren zusammen. Es ist zum einen sehr mühsam, eine solche Seite regelmäßig mit neuen Artikeln zu beschicken. Umso mehr, wenn man den Anspruch hat, nicht einfach nur Links auf andere Seiten zu setzen oder Dinge vom Hörensagen wiederzugeben oder gar herumzupöbeln. Ich habe den Anspruch, alles, was ich schreibe, auch belegbar zu schreiben. Das bedeutet, dass ein Artikel nicht mal eben so in der Mittagspause hingerotzt werden kann.
Aus diesem Grunde findet sich auf stopp-seite.de auch kein von-der-Leyen-Bashing (obwohl: manchmal wäre es angesichts des Niveaus, das von Seiten von der Leyens kam, ducrhaus angebracht gewesen...) Am Anfang eines Artikels stehen Idee, Recherche, Informationsaufarbeitung. Das Schreiben selbst ist dann recht schnell passiert.
Aprops "Ich...". Immer wieder erhalte ich Feedback, in dem Grüße an das Team von stopp-seite.de gesandt werden. Nun, stopp-seite.de ist kein Team - es ist die Arbeit einer einzelnen Person, nämlich mir.
Berücksichtigt man dies, so wird klar, dass ich gar nicht in der Lage bin, tagesaktuell zu schreiben. Im Prinzip wäre dies ein Halbtagsjob. Da ich aber auch noch "in echt" arbeiten, Geld verdienen, und darüber hinaus noch einige andere Dinge auf die Reihe bekommen muss, bleibt für stopp-seite.de nur noch die Freizeit. In meiner Freizeit wiederum möchte ich ich aber auch noch andere Dinge tun, als mich virtuell mit der Zensur des Internet herumzuschlagen. Ich habe nämlich auch noch ein real life. Das soll jetzt kein Herumgejammere sein, sondern lediglich eine Beschreibung der Realität.
stopp-seite.de entstand über Nacht als spontane Idee auf die Zensurbestrebungen Ursula von der Leyens und anderer. Außer einem Link im heise.de-Forum und einem Post im Usenet habe ich keinerlei "Werbung" gemacht. Mittlerweile nehmen über 530 Webseiten an der Aktion teil. Seit April 2009 wurden die Stoppschilder über 1 400 000 mal aufgerufen. An dieser Stelle vielen Dank an alle Webmaster, die an der Aktion teilnahmen und -nehmen: Ohne ihr Engagement wäre die Protestaktion nicht möglich geworden.
Es ist nun aber auch an der Zeit, darüber nachzudenken, wie es mit der Aktion und mit stopp-seite.de weitergehen soll. Jede Protestaktion ist irgendwann nicht mehr schlagkräftig und wird uninteressant. Die eingeblendeten Stopp-Schildern sollten zeigen, was auf dem Spiel steht, was passieren kann, wenn man das Internet in die Hand einer Zensurbehörde gibt.
Die Aktion hat einen konfrontativen und auch alarmistischen Charakter. Das wurde kritisiert, und es sorgte bei vielen Usern zu Verwirrung und Unsicherheit. Ich bin aber nach wie vor davon überzeugt, dass diese Aktion gut und zielführend war und ist.
Viele Leute schrieben mich an, warum denn die Seite XY gesperrt ist und ob sie jetzt etwas illegales getan hätten und was das alles denn soll. Diese User hatten zuvor überhaupt nichts von den geplanten Websperren gehört - nicht jeder, der das Internet nutzt, ist automatisch ein digital native (das sollte man als Netzaktivist nicht aus den Augen verlieren)! Über die Protestaktion bekamen diese User ganz konkreten Kontakt mit der Problematik.
Auch in der öffentlichen Warnehmung hat sich einiges bewegt. Die Zensurbestrebungen, von den Verantwortlichen vermutlich eingeschätzt als eine Maßnahme, die mal schnell durchgewinkt und durchgezogen werden kann, haben eine unerwartete Raktion in der Netzgemeinde - und nicht nur dort - hervorgerufen. Die vermeintlich entpolitisierte Nasse hat sich als durchaus politikinteressiert und protestfähig erwiesen. Ein treffender Ausdruck dafür ist der Slogan Ihr werdet euch noch wünschen, wir wären politikverdrossen.
Die augenfälligsten Auswirkungen im real life waren die Petition gegen die Netzsperren und der Aufstig der Piratenpartei. Die Bundestagswahl bleibt abzuwarten; sie dürfte nochmals ein Gradmesser für das Ankommen der Protestbewegung im real life sein.
Das Erstarken der Protestbewegung im Netz und im real life ist beileibe nicht das Verdienst von stopp-seite.de. Ich denke aber, dass die von stopp-seite.de initiierte Protestaktion und das Engagement aller Beteiligten durchaus einen Anteil am Diskurs leiten konnte und leistet. An dieser Stelle sei noch bemerkt, dass es zahlreiche kleine und große Protestaktionen - nicht nur im Netz! - gab und gibt. Nicht nur Protest wurde geäußert, es wirkten auch ungezählte Personen in der Diskussion um die Netzsperren, an der Aufklärung der Öffentlichkeit, an der Widerlegung von Fear, Uncertainty, Doubt mit. Auch hier nochmals allen Beteiligten: Vielen Dank!
Ich persönlich werde auf meinen Seiten die Protestaktion nach der Bundestagswahl beenden. "Abschalten" kann ich die Aktion nicht; jeder Webseitenbetreiber, der sich der Aktion angeschlossen hat, entscheidet selbst, wie lange er den Code in seine Seite eingebaut läßt. Die Schilder jedenfalls werden weiterhin online bleiben und den unter Umständen veränderten Rahmenbedingungen angepaßt werden.
Auch möchte ich die zukünftigen Entwicklungen zum Thema "Internetzensur" weiterhin beleuchten und kommentieren. Wie gesagt: Das wird aber unregelmäßig und selektiv sein und definitiv nicht tagesaktuell stattfinden können.
Deshalb eine Idee, ein Angebot: Wer zum Themenkomplex "Internetzensur" etwas hier, auf stopp-seite.de, veröffentlichen möchte, ist dazu herzlich eingeladen. Das Angebot ist offen, das bedeutet, dass ich jedem Interessierten die Möglichkeit geben möchte, sich hier zu äußern.
Als Betreiber, sozusagen Herausgeber von stopp-seite de bin ich rechtlich und moralisch aber derjenige, der letzendlich für die Äußerungen mitverantwortlich ist. Aus diesem Grunde muss ich mir das Recht vorbehalten, das letzte Wort über Veröffentlichungen zu haben.
Wie kann die Arbeit von stopp-seite.de in der Zukunft aussehen? Wie geht es weiter mit stopp-seite.de? Auf eure Ideen, Kommentare, Rückmeldung freue ich mich.
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